Asiatische Hornisse erreicht München: Was der neue Fund für Bayern bedeutet

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Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in Deutschland erreicht eine neue Region: Nach Angaben des Bund Naturschutz wurde die invasive Hornissenart Vespa velutina erstmals auch in München nachgewiesen. Damit rückt ein Insekt weiter nach Süden vor, das Imker, Naturschützer und Behörden bereits seit mehreren Jahren beschäftigt. Für Menschen bedeutet der Fund zunächst keinen Grund zur Panik. Für Honigbienen, andere Insekten und die Imkerei kann die zunehmende Verbreitung der Art jedoch erhebliche Folgen haben.

München ist ein weiterer Schritt bei der Ausbreitung in Bayern

Dass die Asiatische Hornisse irgendwann auch den Großraum München erreichen könnte, kam für Fachleute nicht völlig überraschend. Ursprünglich stammt die Art aus Süd- und Südostasien. In Europa wurde sie erstmals 2004 in Frankreich festgestellt – vermutlich war eine Königin unbeabsichtigt mit Importwaren eingeschleppt worden.

Von dort breitete sich die Art über große Teile Westeuropas aus. In Deutschland gelang 2014 der erste Nachweis in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Seitdem hat sich ihr Verbreitungsgebiet deutlich vergrößert. Auch Bayern blieb nicht verschont: Dort wurde die Asiatische Hornisse erstmals 2022 in Unterfranken festgestellt. Bereits 2025 warnte die Bayerische Staatsregierung davor, dass künftig auch der Süden des Freistaats betroffen sein werde.

Mit dem Münchner Nachweis hat diese Entwicklung nun auch die Landeshauptstadt erreicht. Für Naturschützer und Imker stellt sich deshalb weniger die Frage, ob die Art weiter auftauchen wird, sondern vielmehr, wie ihre Auswirkungen begrenzt werden können.

So lässt sich die Asiatische Hornisse erkennen

Auf den ersten Blick kann Vespa velutina leicht mit der heimischen Europäischen Hornisse verwechselt werden. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch einige auffällige Unterschiede.

Die Asiatische Hornisse ist insgesamt dunkler gefärbt. Charakteristisch sind eine schwarz-braune Brust, ein überwiegend dunkler Hinterleib mit einem auffälligen gelb-orangenen Bereich sowie gelbe Beinenden. Deshalb wird sie gelegentlich auch als Asiatische Gelbfuß-Hornisse bezeichnet. Arbeiterinnen werden ungefähr 2,5 Zentimeter lang, Königinnen können eine Körperlänge von etwa drei Zentimetern erreichen. Damit ist die Art sogar etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse. Außerdem ist Vespa velutina hauptsächlich tagsüber aktiv.

Auch die Nester können enorme Ausmaße erreichen. Im Frühjahr beginnt eine überwinterte Königin zunächst mit einem kleinen Gründungsnest an einer geschützten Stelle. Später verlagern viele Völker ihre Aktivität in ein größeres Sekundärnest, das häufig hoch in Baumkronen liegt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes können solche Nester bis zu etwa einen Meter Durchmesser erreichen und mehrere Tausend Tiere beherbergen.

Warum vor allem Imker aufmerksam sind

Die größte Sorge betrifft nicht den Menschen, sondern andere Insekten.

Wie andere Hornissen benötigt auch die Asiatische Hornisse tierisches Eiweiß für ihre Brut. Dafür jagt sie zahlreiche Insekten und Spinnen. Besonders auffällig ist ihr Verhalten vor Bienenstöcken: Die Hornissen können dort regelrecht auf zurückkehrende Honigbienen warten und diese erbeuten.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Honigbienen einen erheblichen Anteil der Beute ausmachen können. Gleichzeitig kann bereits die dauerhafte Anwesenheit jagender Hornissen vor einem Bienenstock das Verhalten des gesamten Bienenvolks verändern. Bienen verlassen den Stock seltener, sammeln weniger Nahrung und lagern entsprechend weniger Pollen ein.

Der ursprünglich vorliegende Bericht hebt ebenfalls die Sorge um Honig- und Wildbienen hervor und verweist auf Forderungen des Bund Naturschutz nach einem stärkeren Management in München.

Bei den ökologischen Folgen ist allerdings eine differenzierte Betrachtung wichtig. Das aktuelle Managementpapier des Bayerischen Landesamts für Umwelt stellt fest, dass deutliche wirtschaftliche Schäden insbesondere durch den Druck auf Bienenvölker sowie durch Fraß an Früchten im Obst- und Weinbau zu erwarten sind. Gleichzeitig seien die Auswirkungen auf die gesamte Biodiversität Europas wissenschaftlich noch nicht in allen Punkten eindeutig belegt. Hier besteht weiterhin Forschungsbedarf.

Ist die Asiatische Hornisse für Menschen gefährlich?

Der Begriff „invasive Hornisse“ klingt zunächst bedrohlich. Im Alltag ist Vespa velutina Menschen gegenüber jedoch nicht grundsätzlich aggressiver als andere Hornissenarten.

Außerhalb der unmittelbaren Nestumgebung versuchen die Tiere normalerweise nicht, Menschen anzugreifen. Anders sieht es aus, wenn ein Nest gestört oder bedroht wird. Dann verteidigt das Volk seinen Standort.

Wie bei Bienen- und Wespenstichen können auch Stiche der Asiatischen Hornisse schmerzhaft sein und bei empfindlichen beziehungsweise allergischen Personen schwere Reaktionen auslösen. Das Umweltbundesamt rät deshalb dazu, ausreichend Abstand zu Nestern zu halten und eine Beseitigung ausschließlich geschulten Personen zu überlassen.

Eigenmächtige Versuche, ein großes Nest zu entfernen, sind keine gute Idee.

Warum Deutschland inzwischen auf Management statt Ausrottung setzt

Auch rechtlich hat sich der Umgang mit der Asiatischen Hornisse verändert.

Die Art steht bereits seit 2016 auf der sogenannten Unionsliste invasiver Arten. Lange Zeit wurde versucht, neue Vorkommen möglichst früh zu entdecken und zu beseitigen. Seit März 2025 wird Vespa velutina in Deutschland jedoch als etabliert betrachtet. Dadurch verschob sich der Schwerpunkt von der Früherkennung nach Artikel 16 der EU-Verordnung hin zu Managementmaßnahmen nach Artikel 19.

Das bedeutet nicht, dass Behörden und Imker die Ausbreitung einfach hinnehmen. Vielmehr geht es zunehmend darum, Schäden zu begrenzen, besonders sensible Bereiche zu schützen und problematische Nester gezielt zu entfernen.

Bayern hat dafür 2025 einen eigenen Aktionsplan vorgestellt. Dazu gehören unter anderem eine Koordinierungsstelle am Institut für Bienenkunde und Imkerei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, zusätzliche Schulungen, ein Ausbau der Meldeplattform BeeWarned sowie finanzielle Unterstützung für bestimmte Nestentfernungen. Der Freistaat kündigte dafür für drei Jahre rund 700.000 Euro an.

Für die Entfernung von Nestern wurden nach Angaben des Ministeriums Zuschüsse von 200 Euro für Primärnester und 400 Euro für Sekundärnester vorgesehen.

Sichtungen fotografieren und melden – aber Tiere nicht selbst bekämpfen

Gerade nach dem ersten bestätigten Auftreten im Münchner Raum können Meldungen aus der Bevölkerung helfen, weitere Tiere oder Nester aufzuspüren.

In Bayern sollen verdächtige Sichtungen möglichst fotografiert und über BeeWarned.de gemeldet werden. Ein Foto ist wichtig, weil die Art zunächst zweifelsfrei bestimmt werden sollte. Die Verwechslungsgefahr mit der Europäischen Hornisse ist nicht zu unterschätzen – und die heimische Hornissenart steht unter besonderem Schutz.

Von wahllos aufgestellten Wespen- oder Hornissenfallen raten Fachbehörden ausdrücklich ab. Solche Fallen unterscheiden nicht zwischen invasiven und heimischen Arten. Dadurch können zahlreiche andere Insekten getötet werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb ebenfalls, auf unspezifische Lockfallen zu verzichten.

Der Münchner Fund dürfte nicht der letzte bleiben

Der erste Nachweis in München ist deshalb vor allem ein Signal: Die Asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland weiter aus und erreicht zunehmend Regionen, in denen sie vor wenigen Jahren noch nicht vorkam.

Vollständig zurückdrängen lässt sich Vespa velutina vermutlich nicht mehr. Entscheidend wird deshalb sein, neue Vorkommen früh zu erkennen, Nester an problematischen Standorten professionell zu entfernen und besonders gefährdete Bereiche wie Bienenstände gezielt zu schützen.

Für die meisten Menschen bleibt die Asiatische Hornisse dabei vor allem ein Tier, dem man mit Abstand begegnen sollte – nicht ein Insekt, vor dem man sich im Alltag fürchten muss. Für Imkereien, Obstbau, Naturschutz und Behörden beginnt mit ihrer weiteren Ausbreitung dagegen eine langfristige Aufgabe, die auch München künftig stärker beschäftigen dürfte.

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