Nazi-Chemikalien verseuchen die Ostsee und landen in der Lebensmittelkette

Titelbild: Umweltaktivisten präsentieren tote Fische aus Protest gegen Überfischung

Das nach Ende des zweiten Weltkriegs entdeckte Chemiewaffenarsenal der Nationalsozialisten haben die Alliierten in der Ostsee versenkt. Die Behälter sind heute brüchig und die Chemikalien in den Fischen nachweisbar. Die Bergung aber ist teuer.

Unter den Chemikalien aus den Zeiten des Nationalsozialismus, die heute frei in die Ostsee fließen sind Senfgas, Arsen-Bomben und weitere Giftstoffe. Die Behälter sind marode und so vergiften die Chemikalien die Gewässer der Ostsee. Die Mengen sind so groß, dass eine Bergung aller Behälter nicht möglich zu sein scheint.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entledigten sich die Alliierten den chemischen Waffen der Nationalsozialisten auf See, rund 300.000 Tonnen wurden gefunden und versenkt. Neben den Chemikalien wurde auch Munition versenkt.

Die Spuren der Chemikalien sind heute in den Fischen der Ostsee wiederzufinden. Martin Söderström, Forschungskoordinator am Verifin Chemieinstitut in Helsinki sagte dem finnischen Hufvudstadsbladet (Hauptstadtzeitung):

Kleine Konzentrationen können im Fisch gefunden werden. Das kann sich jedoch ändern, und man kann sehen, wie es sich in der Lebensmittelkette verbreitet.

Um die Chemikalien bergen zu können, bedarf es mehrerer Schritte. Zunächst müssen diese in neue Container gefüllt und dann an Land gebracht, um vernichtet zu werden. Ein Problem stellen die Regularien dar, welche den Transport von chemischen Waffen erschweren. Fraglich bleibt, welches Land für die Kosten des aufwendigen Prozesses zu tragen hat. Ein Projekt-Koordinator des polnischen Daimon-Projekts (Decision Aid for Marine Munitions) schlägt einen gemeinsamen finanziellen Topf vor, in den die Länder einzahlen sollen.

Der Beschluss zur Versenkung der Chemiewaffen wurde im Rahmen der Potsdamer Konferenz von den Siegermächten getroffen. Neben der Ostsee wurden sie auch in der Nordsee, an der Adriaküste, im Golf von Genua und an der Cote d´Azur versenkt. Eine genaue Dokumentation wieviel und wo die Giftstoffe versenkt wurden, gibt es nicht. Auch hielten sich die Kapitäne der Schiffe, die den Auftrag hatten, sich der Chemikalien zu entledigen, nicht immer an die Vorgaben und kippten die gefährliche Fracht schon ins Meer.

An der italienischen Adria kam es zu Zwischenfällen, bei denen Fischer Gefahrenstoffe aus dem Meer fischten und ohnmächtig wurden, als sie das Gift einatmeten. Senfgas kann im Wasser Klumpen bilden und bei Hautkontakt und Einatmung Gesundheitsschäden hervorrufen.

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