Endlich wissenschaftlich berechnet: Pflanzen von Bäumen ist beste und günstigste Maßnahme für Klimawandel-Stopp

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Untersuchungen haben ergeben, dass eine Billion Bäume gepflanzt werden könnten, um eine riesige Menge an Kohlendioxid zu binden.

Milliarden von Bäumen auf der ganzen Welt zu pflanzen, ist bei weitem der wichtigste und kostengünstigste Weg, um die Klimakrise zu bewältigen, so die Wissenschaftler, welche die erste Berechnung durchgeführt haben, wie viele weitere Bäume gepflanzt werden könnten, ohne Ackerland oder städtische Gebiete zu beeinträchtigen.

Bäume absorbieren und speichern die Kohlendioxidemissionen, welche die globale Erwärmung bewirken. Neue Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass ein weltweites Pflanzprogramm zwei Drittel aller durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre geleiteten Emissionen beseitigen könnte – eine Zahl, die Wissenschaftler als “umwerfend” beschreiben.

Die Analyse ergab, dass es auf der Welt insgesamt 1,7 Milliarden Hektar baumlose Flächen gibt, auf dem 1,2 Billionen heimischer Baumsetzlinge auf natürliche Weise wachsen könnten. Diese Fläche entspricht etwa 11% der gesamten Landfläche der Erde und damit etwa der zusammengerechneten Größe der USA und Chinas. Tropische Gebiete sind mitunter zu 100% mit Bäumen bewachsen, während andere eher spärlich bewachsen sich, was bedeutet, dass sich durchschnittlich etwa die Hälfte der Landflächen dort unter Baumkronen befindet.

Die Wissenschaftler haben ausdrücklich sämtliche landwirtschaftlich zum Anbau von Pflanzen genutzten Felder sowie städtische Gebiete bei ihrer Analyse ausgeklammert. Sie bezogen indes Weideflächen ein, von denen nach Ansicht der Forscher einige Bäume auch für Schafe und Rinder von Vorteil sein können.

„Diese neue quantitative Bewertung zeigt, dass die Wiederherstellung von Wäldern nicht nur eine unserer Lösungen zum Klimawandel ist, sondern die bei weitem beste“, sagte Prof. Tom Crowther von der Schweizer Universität ETH Zürich, der die Forschung leitete. „Was mich dabei nahezu sprachlos macht, ist das Ausmaß. Ich dachte, dass Aufforstung zu den Top 10 gehören würde, aber sie ist weitaus leistungsstärker als alle anderen vorgeschlagenen Lösungen für den Klimawandel.“

Crowther betonte, dass es nach wie vor von entscheidender Bedeutung ist, die aktuellen Trends steigender Treibhausgasemissionen durch Verbrennung fossiler Brennstoffe und Waldzerstörung umzukehren und auf Null zu senken. Er sagte, dies sei notwendig, um zu verhindern, dass die Klimakrise noch schlimmer werde, und weil die geplante Waldrestaurierung 50 bis 100 Jahre dauern werde, um ihre volle Wirkung zu entfalten und 200 Mrd. Tonnen Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entfernen.

Das Pflanzen von Bäumen ist immerhin “eine Lösung für den Klimawandel, die nicht erfordert, dass Präsident Trump sofort an den Klimawandel glaubt, oder dass Wissenschaftler etwa technologische Lösungen entwickeln müssten, um Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu ziehen”, sagte Crowther. “Sie ist jetzt verfügbar, ist am billigsten, und jeder von uns kann mitmachen.” Einzelpersonen könnten einen spürbaren Beitrag leisten, indem sie selbst Bäume pflanzen, für Waldrestaurierungsorganisationen spenden und unverantwortliche Unternehmen meiden, fügte er hinzu.

Andere Wissenschaftler sind sich einig, dass Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernt werden muss, um katastrophale Klimafolgen zu vermeiden, und haben gewarnt, dass technologische Lösungen nicht in dem erforderlichen Umfang funktionieren werden.

Jean-François Bastin, ebenfalls an der ETH Zürich, sagte, dass dringend Maßnahmen erforderlich seien: “Die Regierungen müssen nun [Baumrestaurierung] in ihre nationalen Strategien einbeziehen.”

Christiana Figueres, ehemalige UN-Klimachefin und Gründerin der Global Optimism Gruppe, sagte: “Endlich haben wir eine verbindliche Einschätzung, wie viel Land wir mit Bäumen bedecken können und sollten, ohne die Nahrungsmittelproduktion oder unsere Lebensräume zu beeinträchtigen. Dies ist eine äußerst wichtige Blaupause für Regierungen und den privaten Sektor.”

René Castro, stellvertretender Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sagte: “Wir haben jetzt endgültige Belege für die potenzielle Landfläche, auf der Wälder nachwachsen können, wo sie existieren könnten und wie viel Kohlenstoff sie speichern könnten.”

Die in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie ermittelt das Potenzial für das Pflanzen von Bäumen, geht jedoch nicht auf die Art und Weise der Finanzierung und Durchführung eines solchen globalen Baumpflanzprogramms ein.

Crowther sagte: “In den effektivsten Projekten macht die Restaurierung 30 US-Cent pro Baum aus. Das bedeutet, dass wir die 1 Billion Bäume für 300 Milliarden US-Dollar [ca. 270 Milliarden Euro] wiederherstellen könnten, obwohl dies offensichtlich eine immense Effizienz und Effektivität erfordert. Aber es ist bei weitem die kostengünstigste Lösung, die jemals vorgeschlagen wurde.” Er sagte, finanzielle Anreize für Landbesitzer, um Bäume zu pflanzen, seien die einzige Möglichkeit, wie er sich die Umsetzung vorstellen könne, aber er glaubt, dass 300 Milliarden Dollar in einer Koalition aus Milliardären als Stiftern und der Öffentlichkeit tatsächlich erreichbar sind.

Effektives Pflanzen von Bäumen könnte auf der ganzen Welt stattfinden, so sagte Crowther: “Das Potenzial ist buchstäblich überall – auf der ganzen Welt. In Bezug auf die Kohlenstoffbindung bekommen Sie in den Tropen mit Abstand den größten Effekt für Ihr Geld [wo die Abdeckung mit Wald zu 100% besteht], aber jeder von uns kann mitmachen.” Die sechs größten Nationen der Welt, Russland, Kanada, China, die USA, Brasilien und Australien, enthalten die Hälfte der potenziellen Aufforstungsflächen.

Es gibt bereits Baumpflanzinitiativen, darunter die Bonn Challenge, die von 48 Nationen unterstützt wird und darauf abzielt, 350 Millionen Hektar Wald bis zum Jahr 2030 wiederherzustellen. Die Studie zeigt jedoch, dass sich viele dieser Länder verpflichtet haben, weniger als die Hälfte der Fläche wiederherzustellen, auf der neue Wälder gedeihen könnten. “Dies ist nun eine neue Gelegenheit für diese Länder, es richtig zu machen”, sagte Crowther. “Brasilien wäre für mich persönlich ein Traum, um alles richtig zu machen – das wäre spektakulär.”

Die Forschung basiert auf der Messung der Abdeckung mit Bäumen durch Hunderte von Menschen in 80.000 hochauflösenden Satellitenbildern von Google Earth. Künstliche Intelligenz kombiniert diese Daten mit 10 wichtigen Boden-, Topografie- und Klimafaktoren, um eine globale Karte zu erstellen, auf der Bäume wachsen können.

Diese zeigt, dass theoretisch rund zwei Drittel aller Landflächen – 8,7 Mrd. Hektar – Wald aufnehmen könnten, und dass 5,5 Mrd. Hektar –davon bereits Baumbestand haben. Von den 3,2 Mrd. Hektar baumloser Fläche werden 1,5 Mrd. ha für den Anbau von Nahrungsmitteln verwendet, sodass 1,7 Mrd. potenzielle Waldflächen in Gebieten verbleiben, die zuvor entwaldet wurden oder kaum bewachsen sind.

“Diese Forschung ist ausgezeichnet”, sagte Joseph Poore, ein Umweltforscher am Queen’s College der Universität Oxford. “Es ist eine ehrgeizige, aber wesentliche Vision für Klima und biologische Vielfalt.” Er sagte jedoch, dass viele der identifizierten Wiederaufforstungsgebiete derzeit von Nutztieren beweidet werden, darunter zum Beispiel weite Teile Irlands.

“Ohne die Milliarden Hektar, die wir für die Herstellung von Fleisch und Milch verwenden, freizusetzen, ist dieser Ehrgeiz nicht realisierbar”, sagte er. Crowther sagte dazu, dass in seiner Arbeit nur zwei bis drei Bäume pro Feld für die meisten Weiden angesetzt wurden: „Die Wiederherstellung von Bäumen in geringer Dichte und Weidenutzung schließen sich nicht gegenseitig aus. Tatsächlich legen viele Studien nahe, dass es Schafen und Rindern zugute kommt, wenn ein paar Bäume auf dem Feld stehen.“

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Crowther sagte auch, dass das Potenzial für den Anbau von Bäumen neben Kulturen wie Kaffee, Kakao und Beeren – sogenannte Agro-Forstwirtschaft – nicht in die Berechnung des Baumrestaurierungspotenzials einbezogen wurde, und dass Hecken ebenfalls ausgeklammert wurden: „Unsere Schätzung von 0,9 Mrd. Hektar [Abdeckung] ist einigermaßen konservativ. “

Einige Wissenschaftler sagten jedoch, die geschätzte Menge an Kohlenstoff, die durch das massenweise Anpflanzen von Bäumen aus der Luft entfernt werden könnte, sei zu hoch. Prof. Simon Lewis vom University College London etwa meint, dass der Kohlenstoff, der bereits vor dem Pflanzen von Bäumen im Land vorhanden ist, nicht berücksichtigt wurde und dass es Hunderte von Jahren dauert, bis eine maximale Speicherung erreicht ist. Er wies auf ein Szenario aus dem 1,5°C-Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimawandel hin, in dem 57 Mrd. Tonnen Kohlenstoff von neuen Wäldern in diesem Jahrhundert gebunden würden.

Andere Wissenschaftler sagten, dass die Vermeidung von Wäldern mit Monokultur-Plantagen und die Achtung der lokalen und einheimischen Bevölkerung von entscheidender Bedeutung seien, um sicherzustellen, dass die Wiederaufforstung zum Abbau von Kohlenstoff und zur Förderung der Tierwelt beiträgt.

Frühere Untersuchungen von Crowthers Team hatten ergeben, dass es derzeit etwa 3 Billionen Bäume auf der Erde gibt, was etwa der Hälfte der Zahl entspricht, die vor dem Aufstieg der menschlichen Zivilisation existierte. “Wir haben immer noch einen Nettoverlust von etwa 10 Milliarden Bäumen pro Jahr”, sagte Crowther.

 

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Verweise:

https://www.theguardian.com/environment/2018/dec/05/brutal-news-global-carbon-emissions-jump-to-all-time-high-in-2018

 

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