Alarmierend: Studie zeigt, Mikroplastik jetzt auch… in der Luft

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Forschungsergebnisse belegen, dass sogar die vermeintlich unberührte Region der Pyrenäen betroffen ist

Mikroplastik regnet auf selbst entlegene Berggipfel nieder, wie eine neue Studie ergeben hat, wonach Winde die Verschmutzung anscheinend überallhin tragen können.

Die Wissenschaftler waren verblüfft über die Menge an Mikroplastik, die an einem vermeintlich unberührten Ort wie dem französischen Teil der Pyrenäen vom Himmel fiel. Forscher finden Mikroplastik jetzt überall, wo sie hinschauen, in Flüssen, den tiefsten Ozeanen und in den Böden rund um den Globus.

Die Studie zeigt, dass Kunststofffasern in Leitungswasser auf der ganzen Welt zu finden sind

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Andere in jüngster Zeit durchgeführte Studien haben Mikroplastik in Ackerland in der Nähe von Shanghai, China, auf den Galápagos-Inseln, einem Weltkulturerbe der Unesco, und in Flüssen in der Tschechischen Republik gefunden. Es ist bekannt, dass Menschen und andere Tiere die winzigen Kunststoffteilchen über die Nahrung und das Wasser aufnehmen, die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme sind jedoch noch nicht bekannt.

Die Allgegenwart der Umweltverschmutzung bedeutet jedoch, dass sie sehr ernst genommen werden muss, sagte Steve Allen vom EcoLab-Forschungsinstitut in der Nähe von Toulouse, der die neue Arbeit in den Pyrenäen leitete: „Wenn es sich künftig als problematisch herausstellen sollte, dann wird es ein sehr großes Problem sein. Ich glaube nicht, dass es einen Organismus auf der Erde gibt, der dagegen immun ist.“

Jährlich werden etwa 335 Millionen Tonnen Kunststoff produziert – während der Abbau jedoch extrem langsam erfolgt, zersetzt er sich in immer kleinere Teile. Die Mikroplastik-Verschmutzung in Flüssen und Ozeanen ist mittlerweile allgemein bekannt, aber nur zwei vorangegangene Studien haben die Präsenz in der Luft untersucht, eine in Paris (Frankreich) und eine weitere in Dongguan (China). Beide fanden einen stetigen Niederschlag von Partikeln.

Die neue, in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt, dass Microplastik über abgelegenen Umgebungen genauso stark niedergeht, und dass es mit dem Wind über große Entfernungen hinweg reisen kann. Das Team sammelte Proben aus den Hochlagen der Pyrenäen, die weit entfernt von Plastikmüll sind. Das nächste Dorf war 6 km entfernt, die nächste kleinere Stadt 25 km und die nächste Großstadt 120 km.

Mikroplastikteilchen können durch die Atmosphäre wandern und in Regionen weit entfernt von ihrer ursprünglichen Emissionsquelle landen.

Die Forscher fanden heraus, dass pro Tag durchschnittlich 365 Kunststoffteilchen, Fasern und Filmpartikel pro Quadratmeter abgelagert wurden. “Es ist erstaunlich und beunruhigend, dass so viele Partikel gefunden wurden”, sagte Allen.

“Es ist vergleichbar mit dem, was im Zentrum von Paris und Dongguan gefunden wurde, und dies sind Megastädte, in denen man mit viel Umweltverschmutzung rechnet”, sagte Deonie Allen, ebenfalls im EcoLab und Teil des Teams. “Da wir uns auf der Spitze eines abgelegenen Berges befanden und es keine nahegelegene Quelle gibt, kann Mikroplastik wohl buchstäblich überall hingelangen.”

Die Menge des Plastikpartikelregens korrelierte mit der Stärke des Windes, und die Analyse der verfügbaren Daten zeigte, dass Mikroplastik 100 km durch die Luft getragen werden konnte. Die Ergenisse von Simulationen deuten darauf hin, dass sie sogar noch viel weiter getragen werden könnten. Sahara-Wüstenstaub wird schließlich auch bereits Tausende von Kilometern vom Wind befördert.

Die am häufigsten gefundenen Mikroplastikmaterialien waren Polystyrol und Polyethylen, die beide häufig in Einwegverpackungen und in Plastiktüten verwendet werden. Die Proben wurden im Winter gesammelt, und es könnte durchaus sein, dass noch mehr Mikroplastik im Sommer niederfällt, wenn bei trockenem Wetter Plastikpartikel durch den Wind leichter vom Boden abgehoben werden.

Es hat sich gezeigt, dass Mikrokunststoffe das Meeresleben schädigen, wenn sie von Meeresbewohnern mit Nahrungsmitteln verwechselt werden, und in einer kürzlich in Großbritannien durchgeführten Studie hat man sie in sämtlichen Meeressäugern gefunden. 2017 wurde bekannt, das Mikroplastik Leitungswasser auf der ganzen Welt verseucht und auf diese Weise beispielsweise von Menschen in Europa, Russland bis hin nach Japan aufgenommen wird.

Viele Wissenschaftler sind besorgt über die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik, die leicht giftige Chemikalien absorbieren und schädliche Bakterien aufnehmen können. Die neue Forschung zeigt, dass Mikroplastik in der Luft bleiben kann.

“Wenn Sie irgendwann Partikel in Größe der Atemwege haben, wissen wir nicht, was diese dann bewirken”, sagte Deonie Allen. “Das ist ein wirklich großer unbekannter Faktor, und wir wollen nicht, dass es letzlich zu einer Gefahrdimension wie seinerzeit bei Asbest kommt.” Kunststofffasern wurden in menschlichem Lungengewebe nachgewiesen. Die Forscher vermuten, dass sie als eine Art “Erfüllungsgehilfen zum Risiko von Lungenkrebs beitragen”.

Professor Stefan Krause von der Universität von Birmingham, Großbritannien, und nicht Teil des Teams, sagte, dass die neue Pyrenäenforschung überzeugend sei: “Diese Ergebnisse unterstreichen sicherlich die Notwendigkeit detaillierterer Studien.”

“Ehrlich gesagt stehen wir erst am Anfang des Verständnisses [der Mikroplastikverschmutzung]”, erklärte er. Krause leitet ein Projekt namens ‘100 Plastic Rivers’ [100 Plastik-Flüsse], das die erste systematische, globale Analyse von Mikroplastik in Süßwasserökosystemen erstellen wird. Er sagte, dass die Partikel eine Reihe potenzieller Gefahren bergen, von der Beeinflussung der Böden und der Nahrungsmittelproduktion bis hin zum Transport giftiger Chemikalien und Mikroben weit und breit.

 

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