Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Abholzung: Das “schlimmste Unternehmen der Welt”

"Das schlimmste Unternehmen der Welt" - aus Sicht der Umweltschutzorganisation "Mighty Earth" trifft das auf den US-Konzern Cargill zu. Nie gehört? So dürfte es vielen Verbrauchern in Deutschland gehen. Doch auch hiesige Supermärkte und weit verbreitete Marken vertreiben Produkte des Agrarriesen, der für Kinderarbeit und massive Umweltverschmutzung mitverantwortlich sein soll.

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Letzten Donnerstag versammelten sich mehrere Aktivisten von Mighty Earth, einer gemeinnützigen Umweltorganisation, in Hopkins, USA. Dort haben sie Cargill – das größte Unternehmen in Privatbesitz in den USA mit Sitz in Minnesota – mit einer Auszeichnung als “schlechtestes Unternehmen der Welt” ausgezeichnet.

“Wir erkennen, dass dies eine kühne Behauptung ist”, heißt es in einem Bericht von Mighty Earth. “Es gibt leider viele Unternehmen, die um diese zweifelhafte Ehre wetteifern könnten. Doch wenn es um die größten Probleme unserer Welt geht – die Zerstörung der Umwelt, die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Erderwärmung, die Vertreibung indigener Völker, die Kinderarbeit und die weltweite Armut -, ist Cargill nicht nur auf dem letzten Platz derer, die dagegen kämpfen, sondern treibt die Probleme in einem Ausmaß voran, das alle Konkurrenten in den Schatten stellt.”

Die Liste bietet mehr als nur Beschwerden zur Lebensmittelsicherheit. Darunter fallen massive Fischsterben, die durch „illegales Abladen von Schweinedünger“ (2002) verursacht wurden. Mögliche Gewerkschaftsspaltung während eines Streiks im Salzbergbau (2003). Vorwürfe der Steuerhinterziehung Argentinien von 252 Millionen US-Dollar (2011). Und angeblich illegale Landraubaktionen in Kolumbien (2013).

Unternehmen wie Cargill und Nestlé sind mitunter die Haupterzeuger für Kinderarbeit.

Kindersklaven

Alle diese Anschuldigungen wurden von den Nachrichtenagenturen weit verbreitet, aber es gibt weitere Anschuldigungen, dass Cargill Produkte kauft, die mithilfe von Kinderarbeit und Sklaverei hergestellt wurden. Im vergangenen Jahr genehmigte das Berufungsgericht des neunten US-Kreises eine Klage von sechs ehemaligen Kakaobauern gegen Cargill und – wen wunderts – Nestlé.

Sie wurden in den 90er Jahren als Kinder aus Mali entführt und gezwungen, an sechs Tagen in der Woche bis zu 14 Stunden am Tag auf Kakaoplantagen zu arbeiten, die Cargill und andere Unternehmen mit Geldern und Hilfsgütern unterstützt hatten. Cargill hat die Behauptungen zurückgewiesen und sie als “unbegründet” bezeichnet.

In dem Bericht wird Cargill auch beschuldigt, dem Planeten und den Ländern der indigenen Gemeinschaften in Südamerika Schaden zuzufügen – auch nach dem Versprechen, die Entwaldung in seiner Lieferkette bis 2020 zu beseitigen.

„Wir haben festgestellt, dass Cargill an einigen Standorten, die wir zum ersten Mal besucht hatten (im Jahr 2017), trotz sorgfältiger Prüfung immer noch Abholzung antrieb“, heißt es in dem Bericht. “Zwischen Cargill und ihrem Doppelgänger Bunge hatten sie das Äquivalent von 10.000 Fußballfeldern geräumt, um Soja anzupflanzen.”

Im vergangenen Monat gab das Unternehmen bekannt, dass es trotz aller Bemühungen sein Ziel für 2020 nicht erreichen werde.

Auch deutsche Konsumenten kommen an Cargill kaum vorbei

Der Konzern ist in Deutschland weitgehend unbekannt, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der deutsche Bürger schon einmal Produkte mit Cargill-Komponenten gekauft hat.

Laut eigenen Angaben besitzt Cargill ca. 155.000 Mitarbeitern in 70 Ländern und hat so ziemlich überall seine dreckigen Hände im Spiel was mit Lebensmittelproduktion zu tun hat.

  • Cargill ist der weltgrößte Produzent von Rinderhack und Hamburger-Bratlingen
  • Cargill baut Getreide und Ölsaaten an, handelt damit und verarbeitet die Rohstoffe zum Beispiel zu Pflanzenölen weiter
  • Cargill gehört zu den führenden Anbietern von Tierfutter und Futterzusätzen
  • Cargill stellt Ethyl- und Trinkakohol her, baut Kakao an und produziert Schokolade, baut Malz an, produziert Stärken zum Verdicken und Stabilisieren, hat Süßungsmittel, Lecithine und Proteine im Sortiment
  • Cargill stellt Chemikalien und Zusatzstoffe für die Kosmetikindustrie her – und noch einiges mehr

Zu den großen Kunden des Unternehmens zählen McDonald’s und Burger King, welche Cargill-Fleisch beziehen. Mehrere deutsche Supermarktketten (darunter Aldi und Edeka) arbeiten mit Cargill zusammen, ebenso Firmen, deren Produkte hierzulande in den Lebensmittelregalen stehen, etwa Nestlé, Danone und Arla.

Kinderarbeit, Regenwald-Rodung, gesundheitsschädliches Fleisch

Die Umweltschützer von “Mighty Earth” haben nach eigener Aussage jahrelang zu Cargills Geschäften recherchiert und zudem Rechercheergebnisse von Behörden und anderen Organisation zusammengetragen. Ihr Urteil fällt vernichtend aus. Hier eine Auswahl:

  • In Südamerika ließ und lässt Cargill für den Anbau von Soja große Flächen Regenwald abholzen. Das 2014 ausgegebene Ziel, bis 2020 über die gesamten Lieferketten hinweg zu garantieren, dass für die Herstellung seiner Produkte kein Regenwald mehr gerodet wird, wird sich nach Einschätzung von “Mighty Earth” nicht halten lassen.
  • Viele Indigene Brasiliens haben durch die Rodung des Regenwaldes für Sojaplantagen ihren Lebensraum verloren. Bei anderen nahm die Gesundheit Schaden: Krebs und andere Krankheiten, die durch Pestizide und Herbizide verursacht werden können, nahmen zu. Ebenso die Zahl der Fehlgeburten und Behinderungen bei Neugeborenen.
  • Der Konzern soll Kakao von Plantagen an der Elfenbeinküste gekauft haben, auf denen Kinder arbeiten mussten, bis zu 14 Stunden am Tag, bei schlechter Bezahlung, wenig Essen und Schlägen. Die Kinder sollen von Mali an die Elfenbeinküste verschleppt worden sein. Der International Labour Rights Fund hat in ihrem Namen Klage gegen Cargill erhoben.
  • In Kolumbien soll der Konzern illegal 52.000 Hektar Land erworben haben, mit der Hilfe von 36 ausschließlich für diesen Zweck gegründeten Tochterfirmen.
  • Mehrfach soll Cargill verunreinigtes Fleisch verkauft haben: 2001 musste das Unternehmen 254.000 Burger-Patties zurückrufen, weil E.coli-Bakterien gefunden wurden. Wegen Salmonellen musste das Unternehmen 2002 2,8 Millionen Pfund Hackfleisch vom Markt nehmen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC führte einen Sterbefall, 17 Krankenhausaufenthalte und 47 weitere Erkrankungen auf den Verzehr des Fleisches zurück.
  • Cargill gehört zu den größten Verschmutzern in der US-Lebensmittelindustrie, was Schadstoffe wie Blei, Asbest oder Quecksilber angeht.

Quelle:

http://www.citypages.com/news/environmental-group-gives-cargill-award-for-worst-company-in-the-world/512534831

https://www.gmx.net/magazine/wirtschaft/kinderarbeit-umweltverschmutzung-abholzung-cargill-ngo-schlimmstes-unternehmen-welt-33839124

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