Russland tötet tiefsten See der Erde und gefährdet 20% der weltweiten Süßwasserreserven

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Der Baikalsee entstand vor 25 bis 30 Millionen Jahren und ist volumenmäßig der größte Süßwassersee der Erde.

Der älteste und tiefste See der Welt ist einer katastrophalen Bedrohung ausgesetzt, da giftige Schlammströme infolge der starken Überschwemmungen in der russischen Region Sibirien das Gewässer mit Chemikalien zu überschwemmen drohen.

Der Baikalsee, der nördlich der russisch-mongolischen Grenze tief in Südsibirien liegt, bildete sich vor etwa 25 bis 30 Millionen Jahren. Bei einer Tiefe von bis zu 1.642 m ist er flächenmäßig der siebtgrößte See der Welt.

Der 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte See enthält über 20 Prozent des flüssigen Oberflächenwassers der Erde, was ihn vom Volumen her zum größten Süßwassersee der Erde macht.

Jetzt warnen Umweltschützer davor, dass der See von einer bevorstehenden ökologischen Katastrophe bedroht ist. Die fast 2.000 in der Region vorkommenden einheimischen Arten sind einer tödlichen Gefahr durch toxische Bedingungen in der Umgebung ausgesetzt.

Die größte Bedrohung ist das einströmende Wasser von einem Fluss in der Stadt Baikalsk, die am Ufer des Sees liegt und die dortige Zellstoff- und Papierfabrik aus der Zeit der Sovietunion versorgt hat. Die Situation könnte zu massiven Mengen giftiger Abfälle führen, die Chemikalien wie Lignin enthalten und in die unberührten Gewässer des Baikalsees gelangen, so schrieb die Siberian Times.

Der unbehandelte Müll, der auf dem 2013 stillgelegten Gelände gelagert ist, füllt 13 Speicherteiche, darunter drei direkt am Ufer des Sees, drei im Osten und der Rest etwas höher gelegen, erklärt der Erdrutschexperte Dave Petley .

Insgesamt enthalten die Teiche rund 6,2 Millionen Tonnen unbehandelten Giftmülls.

In einem Blogbeitrag für die American Geophysical Union schrieb Petley, dass “die Risiken an diesem Abfalllagerort eindeutig inakzeptabel hoch sind und die Folgen eines schweren Ausfalls in Baikalsk in den Baikalsee hinein wirklich katastrophal wären.”

Petley erläutert:

“Die potenzielle Bedrohung liegt hier in der Lage der Deponieteiche. Das gesamte Gelände befindet sich auf einem aktiven Bewässerungssystem, das von dem Kanal gespeist wird, der aus den Bergen austritt. Aufgrund der Struktur liegt die Annahme durchaus nahe, dass dieser Kanal Sturzfluten und Ablagerungen ausgesetzt ist. In diesen Systemen ist zu erwarten, dass hohe Volumenströme den Kanal überlasten und über den Verteiler überall hin gelangen. In diesem Fall besteht für den ersten Deponieteich im Gefällsystem ein hohes Überflutungsrisiko.

 … Die möglichen Folgen eines solchen Ereignisses beim Eintritt in den höchsten Deponieteich sollten klar sein – die Wahrscheinlichkeit, dass ein sehr großer Abfallstrom den ersten Abfallteich überschwemmt, scheint in der Tat sehr hoch zu sein. Dieser Teich würde wahrscheinlich versagen und den nächsten tiefer gelegenen überschwemmen und so weiter, etwa wie eine Kettenreaktion. Es ist daher durchaus möglich, dass sieben oder mehr der Speicherseen überlastet werden und den Müll in den See schwemmen. Natürlich sind auch die drei Teiche im Osten gefährdet.”

Die Überschwemmungen, die im Juni in der sibirischen Region Irkutsk begannen, betrafen laut Radio Free Europe unmittelbar etwa 11.000 Haushalte.

Inzwischen haben Waldbrände in Sibirien nach Angaben der Behörden etwa 3 Millionen Hektar größtenteils abgelegener Waldflächen eingenommen – ungefähr so groß wie die Landfläche Belgiens. Die Situation hat mehrere Regionen dazu veranlasst, Ausnahmezustände zu erklären.

Im Jahr 2012 hatte die russische Regierung rund 420 Millionen US-Dollar für Aufräumarbeiten am Baikalsee zur Verfügung gestellt. Kritike meinen jedoch, dass das Geld nicht ordnungsgemäß ausgegeben wurde.

Der letzte katastrophale Schlammfluss in den Baikalsee hinein war im Juli 1971 und führte seinerzeit über 19 Kilometer der transsibirischen Eisenbahnstrecke direkt in den See.

Hoffentlich können die Schönheit dieses riesigen Gewässers und seine bedeutenden Wasserreserven für künftige Generationen erhalten werden.

 

Verweise:

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