Gut isoliert im jurassischen Ozean

Die Anzeichen verdichten sich immer mehr, dass zumindest manche der Reptilien aus der Dinosaurierzeit warmblütig waren. Ein internationales Forscherteam hat in einem Ichthyosaurier-Fossil aus dem Steinbruch Holzmaden direkt unter der Haut Speck gefunden, wie er auch bei heutigen Walen und Robben vorkommt. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in „Nature“.

Den heutigen Meeressäugern dient das Fettgewebe zur Isolierung, damit sie ihre Körpertemperatur auch in den kältesten Regionen der Weltmeere aufrechterhalten können. Ichthyosaurier ähneln rein äußerlich Delfinen und Tümmlern, waren allerdings Reptilien. Dass sie warmblütig sind, vermutet man seit Jahrzehnten, zumal man bereits Fossilien fand, die darauf hindeuten, dass sie lebendgebärend waren. „Wir allerdings haben zum ersten Mal direkte chemische Hinweise auf die Warmblütigkeit von Ichthyosauriern gefunden“, betont Co-Autorin Mary Schweitzer, Professorin für Biologie an der North Carolina State University in Raleigh.

 

Vergleich zwischen künstlich gealtertem Delfinspeck und dem fossilen Ichthyosaurier-Gewebe.
Bild: Nature/Johan Lindgren und Martin Jarenmark

 

Die Forscher verwendeten ein 1991 im schwäbischen Holzmaden ausgegrabenes Fossil des etwa 180 Millionen Jahre alten Ichthyosauriers Stenopterygius aus dem unteren Jura. Die bis zu vier Meter langen Tiere sind vor allem aus Deutschland bekannt, wurden allerdings auch in anderen europäischen Ländern gefunden. Das untersuchte Fossil starb in einem seichten Gebiet des jurassischen Tethysmeers und wurde dort unter weitgehender Abwesenheit von Sauerstoff fossilisiert. So blieb das Gewebe des toten Tieres zumindest teilweise erhalten und die Forscher konnten biologisches Material wie den Speck, Pigmentzellen der Haut und sogar einzelne Proteine finden. Der Fund hatte im Magazin des Urweltmuseums Hauff in Holzmaden gelegen, ohne dass er mit Konservierungsmitteln behandelt worden war. So konnten diese Stoffe nicht die Untersuchungsergebnisse verfälschen.

Den Forschern kamen offenbar die besonderen Ablagebedingungen des Fossils zugute, denn da in der Tethysbucht, in der das 1,60 Meter lange Tier zu Boden sank, Sauerstoff absolute Mangelware war, konnte das Fleisch auch nicht vollständig verrotten. „Als wir die Mineralien entfernten, hatten wir die ursprünglichen Weichgewebe vor uns liegen“, berichtet Hauptautor Johan Lindgren von der Universität Lund in Südschweden. Die Forscher konnten erkennen, dass die Haut des Stenopterygius wie bei heutigen Walen schuppenlos und glatt war. Außerdem war das Tier oben dunkel und an der Bauchseite hell gefärbt, ein auch heute weit verbreiteter Schutzmechanismus gegen größere Fressfeinde, da man so sowohl von oben als auch von unten schlechter auszumachen ist.

Ichthyosaurier lebten während des größten Teils des Erdmittelalters. Bereits aus der Trias ist ihre charakteristische delfinartige Körperform bekannt. Wegen dieser für Geschwindigkeit optimierten Form gehen Paläontologen davon aus, dass sie ebenso wie die heutigen Zahnwale pelagisch waren, also die hohe See bevölkerten. Unter den heutigen Hochseefischen gibt es ebenfalls warmblütige Tiere, zum Beispiel den Roten Thunfisch. Dieser hat eine ähnliche Lebensweise, wie man sie den Ichthyosauriern zuschreibt, sodass auch aus dieser Sicht viel für die Warmblütigkeit der mesozoischen Reptilien spricht.

Quelle: unserplanet.net

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